Musca Vetustissima

Die australische Fauna hat ja, wie bereits beschrieben, viele Besonderheiten zu bieten. Giftige Schlangen und Spinnen, vor denen wir daheim in Deutschland mehrfach gewarnt wurden, sind uns bisher nicht begegnet. Im Outback gibt es jedoch ganz andere Plagegeister, mit denen man seinen inneren Frieden finden muss – ansonsten wird man wahnsinnig. Darf ich vorstellen: Die Buschfliege!

Seit Jahrtausenden hatte sie bereits die Aborigines gequält, bevor sie die ersten europäischen Entdecker freudig begrüßte und heute über hilflose Touristen herfällt. Ihren Ursprung hat die Buschfliege buchstäblich in der Sch…! Die befruchteten Weibchen legen ihre Eier in Kot von Tieren und Menschen. Insbesondere der Kot von Dingos soll sich dazu bestens eignen, die Rinderzucht in den Weiten des Outbacks hat das Problem der Buschfliegenplage in den letzten 100 Jahren erheblich verschärft.

So penetrant, nervig und zahlreich habe ich eine Fliege noch nicht erlebt. Die Weibchen benötigen Eiweiße, damit sich ihre Eierstöcke entwickeln. Die Proteine erhalten sie aus den Körperflüssigkeiten von Menschen und Tieren, bevorzugt aus den Augen- und Mundwinkeln, was ihre penetrante Anhänglichkeit erklärt. Sie klettern in alle Körperöffnungen – Ohren, Mund, Nase, Augen. Hinter Brillengläsern sind sie besonders unangenehm.

Es gibt kein Mittel, das man sich z.B. auf die Haut sprayen kann und diese Dinger abweist. Anfangs noch aus Gründen der Eitelkeit abgelehnt habe ich nun die einzige Lösung auch angenommen. Es handelt sich um ein Netz, welches man über seinen Kopf zieht – und die Fliegen bleiben draußen. Ganz großen Dank an dieser Stelle an Kellie aus dem Kalleske-Cellar-Door für ihre Dauerleihgabe!

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Hoffnungsvoll erwartet man das Tagesende. Fliegen sind nicht nachtaktiv und spätestens eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang sind diese verschwunden. 🙂

Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark

Mit mehr als 250.000 Touristen jährlich gehört der Uluṟu (Ayers Rock) ganz klar zu den Top-Zielen einer Australien-Reise. Und auch wir haben uns auf den weiten Weg gemacht, um diesen Felsen inmitten der flachen Landschaft zu bewundern. Die Anfahrt dauert ewig! Vom Stuart-Highway-Abzweig in Erldunda, wo wir die letzte Nacht verbracht haben, fährt man drei Stunden ca. 250 Kilometer nach Westen. Auf dieser Strecke gibt nichts Sehenswertes außer das weite australische Outback, welches uns bereits die letzten drei Tage auf ca. 1.000 Kilometern begleitet hat.

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Und dann taucht irgendwann am Horizont ein ockerfarbener 350 Meter hoher Felsen auf.

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Vielen bekannt ist noch die Bezeichnung nach dem südaustralischen Premierminister „Henry Ayers“ aus dem Jahr 1873, als dieser Berg entdeckt wurde. Bei den Ureinwohnern, den Anangu, hat dieser jedoch den Namen „Uluṟu„. Sein Name ist seit 2002 nun offiziell „Uluṟu / Ayers Rock„. Wichtig zu erwähnen wäre, dass es ca. 25 Kilometer entfernt in westliche Richtung noch eine ähnliche Formation gibt. Im „Schatten“ des Uluṟu sind diese Berge fast unbekannt. Es handelt sich dabei um die „Kata Tjuṯa / Mount Olga“.

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Auch diese im Jahr 2002 festgelegte Bezeichnung ist eine Kombination aus der Aborigines- und der englischen Bezeichnung. Diese Berg-Gruppe wurde übrigens 1872 nach der russischstämmigen Königin Olga von Württemberg benannt, dessen Gemahl den Entdecker förderte.

Beide sich deutlich aus dem flachen Land erhebenden Berge sind heute zusammengefasst zu dem Nationalpark mit der Bezeichnung „Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark„.

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Es gab viele Theorien darüber, wie diese Felsen entstanden sind. Auch die Aborigines haben in ihrer Dreamtime ganz eigene Geschichten. Mittlerweile gibt es aber eine wissenschaftlich fundierte Erklärung. Diese ist ziemlich komplex, es geht dabei um mehrere Faltungen, Anhebungen, Absenkungen und Meere, die es in dieser Gegend gegeben hat. Das Ganze passierte vor 700 bis 65 Millionen Jahren.

Ich habe daraus eine etwas vereinfachte Erklärung abgeleitet. Es ist nachgewiesen, dass Uluṟu und Kata Tjuṯa zu ein und demselben Gebirgsmassiv gehören. Dieses befindet sich jedoch unterirdisch, man sieht also nur die „Spitze des Eisberges“. Dies ist vergleichbar mit einem unterirdischen Gebirge im Meer, wo nur zwei Berge als Inseln aus dem Wasser herausgucken. Das flache Land drum herum sind Sedimentablagerungen eines ziemlich großen Sees, der aufgrund seiner geschlossenen Lage nicht abließen konnte, ausgetrocknet ist und heute ein riesiges Becken bildet.

Der Nationalpark ist weiträumig um diese zwei Felsen angelegt worden. Am Parkeingang muss ein 3-Tages-Pass für 25 Dollar/Person erworben werden. Die Übernachtung im Nationalpark ist jedoch untersagt. Als Ausgangspunkt und Übernachtungsmöglichkeit für alle Touristen dient somit der Ort Yulara, welcher sich ungefähr 3 Kilometer nördlich der Parkgrenze befindet und mitten im Outback alles zu bieten hat, was für die Versorgung der Touristen notwendig ist: Mehrere Lodges und Resorts, Supermarkt, Tankstelle, 4G-Mobilfunk und einen riesigen Campingplatz, auf dem wir für zwei Nächte untergekommen sind. Es ist wirklich bemerkenswert, in welcher Größenordnung hier der Service an Touristen erbracht wird, so dass wirklich keine Wünsche offenbleiben. Alles ist sehr großzügig und sauber angelegt, man fühlt sich nicht eingeengt und hat genug Platz.

Den Nationalpark haben wir an zwei Tagen auf insgesamt drei Wanderungen erkundet.

Die erste Wanderung führte uns 12 Kilometer um den Uluṟu drum herum. Direkt neben dem Wanderweg erheben sich steile Wände, es gibt mehrere ausgespülte Höhlen und Löcher an denen manchmal auch jahrtausend alte Fels-Malereien zu finden sind.

Die zweite Wanderung war der Aufstieg. 350 Meter ging es tlw. sehr steil nach oben. Der Ausblick ist überwältigend.

Die dritte Wanderung führte uns durch die Felsen des Kata Tjuṯa / Mount Olga. Da diese etwas zerklüftet sind kann man durch enge Schluchten laufen, es ergeben sich tolle Aussichten und Motive.

Berühmt ist der der Uluṟu insbesondere auch für sein Farbenspiel zum Sonnenuntergang. Eigens dafür wurden in bester Lage zwei Parkplätze eingerichtet – einer für Busse, ein zweiter für Individualreisende. Der zweite Parkplatz hat eine Länge von 600 (!) Metern, an dem sich ein Parkslot neben dem anderen reiht. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang passiert hier so etwas wie eine Invasion von Touristen – jede Parklücke ist belegt. Die Zuschauer scheinen hier jeden Abend ein Naturschauspiel sondergleichen zu erwarten. Ergänzt wird dies noch von drei Hubschraubern, die währenddessen über dem Parkplatz ihre Runden drehen.

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Und auch wir haben es uns mit entsprechender Ausrüstung bei einem Glas 2018er Jacob’s Creek Shiraz Rosé aus dem Barossa Valley (dank unseres Fridge im Camper natürlich gekühlt) gemütlich gemacht.

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Im Nachhinein kann man festhalten, dass solch ein Sonnenuntergang am Uluṟu vielleicht doch etwas aufgeladen und überbewertet wird. Hübsche Fotos sind trotzdem entstanden.