The Spring of a Telegraph Station

Ein Blick auf die Karte Australiens zeigt, die Stadt Alice Springs liegt ziemlich deutlich in der Mitte des Kontinents. Tatsächlich wurde die Lage des „Schwerpunktes“ Australiens in der Nähe dieser Stadt ermittelt. Es stellt sich die Frage, wieso mitten im trockenen australischen Outback und mehr als 1.000 Kilometer Autofahrt von jeder Küste entfernt eine Stadt mit derzeit ca. 30.000 Einwohnern entstehen konnte. Diese Fragestellung versuchten wir heute zu ergründen.

Wie bereits beschrieben, dem ersten Europäer, dem die vollständige Querung von Süden nach Norden im Jahr 1862 gelang, war John McDouall Stuart. Die Motivation seiner Sponsoren war unter anderem die Erkundung einer geeigneten Streckenführung für eine Transaustralische Telegrafenleitung. Nachrichten aus dem besiedelten Süden konnten zuvor nur per Schiffpost übermittelt werden und waren wochen- oder monatelang unterwegs.

Ausgehend von den Aufzeichnungen und von Stuarts angefertigten Karten wurde ab 1870 die erste durchgehende Telegrafenleitung gebaut und ca. 24 Monate später in Betrieb genommen. Um das Signal zu verstärken und weiterzuleiten wurden alle ca. 250 Kilometer Relay-Stationen errichtet.

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Bereits Stuart hatte sich bei seiner Routenfindung an den natürlichen Wasservorkommen orientiert. Anders hätte die Durchquerung des Landes nicht gelingen können. Somit waren vermeintliche Quellen ideal, um dort eine Relay-Station zu errichten. Ein Telegraphist, der sich rund um die Uhr bereithalten musste, um Morse-Nachrichten weiterzugeben, musste autark mit seiner Familie mitten im Outback leben können. Das Wasserloch an der zentralen Stelle bei den MacDonnell Ranges erhielt den Namen „Alice Springs“, benannt nach der Ehefrau des Projektleiters, der mit der Errichtung der Telegrafenleitung beauftragt worden war. Tatsächlich aber ist diese „Quelle“ nur ein Teich, Teil eines Flussbettes und beinhaltet heute nicht mehr viel Wasser.

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Die Telegrafenstation, die heute als Museum besichtigt werden kann, befindet sich direkt neben dem Wasserloch.

Schnell bekam der Telegraphist in Alice Springs mehr und mehr Aufgaben. Er wurde nun Stationsleiter genannt und hatte neben der Leitung der größten Station entlang der Telegrafenleitung auch die Führung des Postamtes inne. Er fungierte auch als Notfallarzt mit Instruktionen, die er telegrafisch aus Adelaide erhielt. Des Weiteren war er für die Aborigines in Zentralaustralien „verantwortlich“. Da er auch der einzige Richter in Zentralaustralien war, diente die Station zuweilen sogar als Gerichtsgebäude. Schnell wuchs um die Telegrafenstation herum ein kleines Dorf. Beispielsweise wurde ein Schmied gebraucht, der das Beschlagen der Pferde durchführte. Nicht weit entfernt entstand eine kleine Siedlung, dessen Aufschwung erst richtig mit der Eröffnung einer Eisenbahnlinie 1929 begann, die den Ort mit Südaustralien verband. Die Siedlung übernahm den Namen „Alice Springs“ von der Telegrafenstation. Das Museum und das Wasserloch liegen heute wenige Kilometer neben dem Zentrum.

Der Ort hat sich bis heute zu einer modernen Stadt mitten im Outback entwickelt. Es gibt mehrere Shopping-Center, Veranstaltungsstätten, Restaurants und natürlich auch einen Flughafen, der sogar international angesteuert wird. Die Stadt ist somit Ausgangspunkt für viele Touristen und sie wird von den Aussis liebevoll „The Alice“ genannt.

Änderung am 30.05.2019:
Der Flughafen von Alice Springs wird nur von australischen Städten aus angeflogen.